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Allgemeine Schlaflosigkeit im Meer der Ruhe

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Neil Armstrong hätte schlafen sollen. Der Mondspaziergang war vorüber. Das Mondgestein war verstaut. Sein Schiff war bereit für den Start. In einigen Stunden würde das Landemodul des Adler’s vom Mond abheben, etwas was kein Raumschiff vorher getan hatte, und Neil brauchte all seine Sinne dazu. Er schaute über die Abdeckung des Antriebs und schloss seine Augen.

Aber er konnte nicht schlafen.

Auch Buzz Aldrin hatte dieses Problem. Im vollen Landemodul hatte Buzz einen netten Platz, auf dem Boden. Er streckte sich in seinem Raumanzug soweit es ging und schloss seine Augen. Nichts geschah. An einem solchen Tag war an Schlaf nicht zu denken.

20. Juli 1969: Der Tag begann auf der anderen Seite des Mondes. Armstrong, Aldrin und Teamkollege Mike Collins flogen ihr Raumschiff 100 Kilometer über der Kraterlandschaft. Selbst heute ist es ein geheimnisvoller Anblick aber die Astronauten hatten keine Zeit für ein Sight-Seeing. Collins drückte einen Knopf der einige Federn aktivierte und das Raumschiff teilte sich in zwei Hälften auf. Die Hälfte mit dem Namen Columbia, mit Collins an Bord, würde in der Umlaufbahn bleiben. Die andere Hälfte, der Adler, tauchte am Horizont hinab, zum Meer der Ruhe.

"Sie haben Freigabe für die Landung," sendete Houston, und der Antrieb des Adlers startete problemlos. Die Kapsel war so zerbrechlich, dass ein Kind ein Loch durch seine Hülle aus Goldfolie hätte stoßen können. Scharfe Felsen auf dem Mond könnten noch viel Schlimmeres anrichten. Als Armstrong sah wohin der Computer sie führte -- in ein Feld aus Geröll -- übernahm er schnell die Kontrolle. Der Adler neigte sich nach vorne und segelte über die Felsen hinweg.

In der Zwischenzeit klingelten Alarme im Hintergrund.

"Programm Alarm," meldete Armstrong. "Es ist ein 1202." Der Code war so unklar, dass fast niemand wusste was er bedeutete. Sollten sie abbrechen? Sollten sie landen? "Was ist es?" wollte er wissen.

In Houston lieferte ein junger Techniker, namens Steve Bales, die Antwort:  Das Radar Steuerungssystem belästigte den Computer mit zu vielen Unterbrechungen. Kein Problem. "Wir haben euch..." meldete Houston. "Wir sind auf Go für dieses Problem."

Und sie machten weiter. Die Dinge liefen allerdings nicht ganz wie geplant. Das Meer der Ruhe sollte eben sein, sah aber aus dem Cockpit des Adlers nicht mehr so eben aus. Armstrong suchte im Durcheinander des Meeres nach einem sicheren Landeplatz. "60 Sekunden," sendete Houston. "30 Sekunden." Mission Control wurde ruhig als die Telemetriedaten eintrafen. Bald, zu schnell, würde dem Raumschiff der Treibstoff ausgehen. Capcom gab später zu, dass "die Jungs bei Mission Control blau anliefen" als Armstrong meldete "ich habe einen guten Platz [gefunden]." Armstrong´s Herz schlug mit 156 Schlägen pro Minute, ausgehend von seinen Bio-Sensoren. Der Treibstoffanzeige stand nur bei 5,6% als der Adler schließlich auf dem Boden des Meeres der Ruhe aufsetzte.

Houston (erleichtert): "Wir bestätigen die Landung des Adlers."

Armstrong (nüchtern): "Houston, Tranquility Basis hier. Der Adler ist gelandet."

Sie machten sich sofort an die Vorbereitungen für den Ausstieg. Hier war die NASA sehr Vorsichtig. Niemand war vorher auf dem Mond gelandet. Was wenn ein Bein des Raumschiff anfing im Mondstaub einzusinken, oder wenn der Adler ein Leck hätte? Während sich Neil und Buzz für den Ausstieg fertig machten, schaute sich Houston die Telemetriedaten an und hielt Ausschau nach Anzeichen auf Probleme. Es gab keine und 3 Stunden nach der Landung, endlich, gab Houston das "Okay." Der Mondspaziergang begann.

Um 9:56 EDT, stieg Neil die Leiter hinab und machte "einen kleinen Schritt" hinein (mit dem linken Fuß zuerst) in die Geschichte. Aus dem Schatten des Adlers heraus schaute er sich um: "Es hat eine eigene, sachliche Schönheit -- wie die Wüsten in den Vereinigten Staaten." Houston erinnerte ihn daran die "vorgesehenen Proben" einzusammeln und Neil steckte einige Steine und etwas Boden in seine Taschen. Wenn die Astronauten aus irgendeinem Grund schnell starten müssten, hätten die Wissenschaftler auf der Erde so wenigstens eine Tasche voll vom Mond, für ihre Experimente.

Bald kam auch Buzz dazu. "Wunderbarer Ausblick!" sagte er, als er das breite Landebein der Kapsel erreichte. "Das ist doch etwas!" stimmte Armstrong zu. "Wundervolle Aussicht hier draußen."

"Herrliche Trostlosigkeit," sagte Aldrin.

Diese beiden Worte beschreiben das Ying-Yang des Mondes. Die Einschlagskrater, die gekippten Felsen, die Lagen aus Mondstaub -- es war absolut fremdartig. Dennoch fühlte sich die Tranquillity Basis seltsam vertraut an, wie ein Zuhause. Spätere Apollo Astronauten hatten ähnliche Gefühle. Vielleicht liegt es daran, dass man den Mond so oft von der Erde aus betrachtet. Oder vielleicht weil der Mond ein Teil der Erde ist, abgespalten von unserem jungen Planten vor Milliarden von Jahren. Niemand weiß es; es ist nur so.

Ehrlich gesagt war vieles am Anblick seltsam. Die luftlose Landschaft sprang die Astronauten mit einer verwirrenden Klarheit an und, als Resultat, fühlte sich der Horizont unnatürlich nah an. Viel schlimmer noch, die ganze Welt schien gekrümmt zu sein, ein Nebeneffekt des kleinen Radius des Mondes. "Entfernungen [hier] sind sehr trügerisch," bemerkte Aldrin.

Der Himmel war ähnlich unverständlich. Obwohl der Adler an einem hellen Mondmorgen landete, war der Himmel schwarz wie um Mitternacht. Ein Paradies für Astronomen?  Nein. Es war nicht ein einziger Stern sichtbar. Der grelle, von der Sonne angestrahlte Boden nahm den Astronauten ihre Nachtsicht. Nur die Erde selber war hell genug und hing in strahlenden blau und weiß über den Köpfen.

Armstrong war besondern fasziniert vom Mondstaub, den er mit seinen Stiefeln trat und aufwirbelte. Auf der Erde verursacht aufgewirbelter Staub eine kleine Wolke in der Luft -- aber es gibt keine Luft auf dem Mond. "Wenn man auf die Oberfläche tritt, erhebt sich der Staub wie ein kleiner Fächer der für mich aussieht wie ein Rosenblatt," erinnert sich Armstrong. "Es ist nur ein kleiner Ring aus Teilchen -- nichts hinter ihnen -- kein Staub, kein Wirbel, kein Nichts. Es ist wirklich einmalig."

Genug damit. Es ist an der Zeit zu arbeiten.

Fast vergessen sind die Checklisten, aufgenäht auf den Unterarmen der Raumanzüge. Diese "Liebling, kannst Du bitte" Notizen der NASA waren voll mit Aktivitäten -- von der Inspektion der Landekapsel bis hin zum Aufbau des Fernsehers und dem Sammeln von Proben. Einige dieser Aufgaben waren so detailliert wie, beuge dich nach vorne und berichte wie es gelaufen ist. Sie hatten eine Menge zu tun. 

Neil und Buzz errichteten einen Sonnenwind-Kollektor, einen Seismografen und einen Laser-Retroreflektor. Sie stellten eine Flagge auf und eine Platte auf der steht, "Wir kamen in Frieden für die gesamte Menschheit." Sie tätigten den ersten interplanetarischen Telefonanruf -- "Ich kann Ihnen gar nicht sagen wie stolz wir alle auf Sie sind," sagte Präsident Nixon aus dem Oval Office. Sie sammelten 20 kg Mondgestein und machten 166 Bilder. Check. Check. Check.

Schließlich, nach 2,5 arbeitsreichen, berauschenden Stunden, war es an der Zeit zu gehen. Die Checkliste sagte: Steigen Sie in den Adler ein. Verstauen Sie die Felsen. Bereiten Sie das Schiff (erneut) auf den Abflug vor. Essen Sie: Rindfleischeintopf oder Hühnchensuppe. Und dann, schlafen Sie.

Das war zuviel. "Man wird einfach nicht schlafen während man wartet [auf den Start]," sagte Aldrin nach der Mission.

Der Adler war kein guter Schlafplatz. Die winzige Kabine war laut durch die Pumpen und hell erleuchtet durch Warnleuchten die man nicht abschalten konnte. Selbst die Fensterblenden leuchteten, angestrahlt durch das intensive Sonnenlicht von draußen. "Nachdem ich meinen Schlafplatz aufgesucht hatte bemerkte ich, dass etwas anderes mich störte," sagte Armstrong. Der Adler hatte ein optisches Teleskop, dass wie ein Periskop herausschaute. "Die Erde schien direkt durch das Teleskop in meine Augen. Es war wie eine kleine Glühlampe."

Um etwas Ruhe zu bekommen schlossen sie die Helme ihrer Raumanzüge. Es war ruhig in Inneren und sie "würden nicht den ganzen Staub einatmen" den sie von ihrem Mondspaziergang mitgebracht hatten, sagte Aldrin. Es funktionierte nur nicht. Die Kühlsysteme der Anzüge, so wichtig draußen, in der sengenden Hitze auf der Mondoberfläche, waren zu kalt um im Adler zu schlafen. Das Beste was Aldrin zustande brachte waren "ein paar Stunden erholsames Dösen." Armstrong blieb einfach wach.

Als der Weckruf endlich kam,

"Tranquility Basis, Tranquility Basis, Houston. Over."

Armstrong antwortete ohne Zögern,

"Guten Morgen, Houston. Tranquility Basis. Over."

Der lange Tag war vorüber. Es war an der Zeit nach Hause, zur Erde, zu fliegen und eine Nacht durchzuschlafen.

Quelle: Science@NASA

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