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Auf der Suche nach Ketten von Einschlagskratern

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Als die Fragmente des zerschmetterten Kometen 73P/Schwassmann Wachmann 3 dieses Wochenende harmlos an der Erde vorbeiglitten, beobachtet von zahlreichen Amateurastronomen, können sich Beobachter nur Fragen, was passieren würde, wenn ein Komet wie dieser die Erde nicht verfehlt hätte, sondern auf unserem Planeten eingeschlagen wäre?

Für eine Antwort auf diese Frage schauen wir in die Sahara Wüste.

In einem entlegenen Gebiet namens Aorounga, im Chad, gibt es drei Krater hintereinander, jeder mit einem Durchmesser von etwa 10 km. "Wir glauben, dass dies eine 'Krater-Kette' ist, geformt durch den Einschlag eines zersplitterten Asteroiden vor etwa 400 Millionen Jahren, während dem späten Devon," erklärt Adriana Ocampo von der NASA.Ocampo und Kollegen entdeckten die Kette im Jahr 1996. Der Hauptkrater "Aorounga South" war seit vielen Jahren bekannt -- er liegt über dem Sand und kann von Flugzeugen und Satelliten aus gesehen werden. Ein zweiter, und möglicherweise noch ein dritter Krater waren vergraben. Sie lagen im Verborgenen bis das Radar an Bord des Space Shuttle (SIR-C) den sandigen Boden durchdrang und ihre zackigen Abgrenzungen enthüllte.

"Hier auf der Erde sind Ketten von Kratern selten," sagt Ocampo, aber in anderen Teilen des Sonnensystems kommen sie häufig vor.

Die erste Kette von Kratern wurde von NASA's Voyager 1 Raumschiff entdeckt. Im Jahr 1979, als die Sonde am Jupitermond Callisto vorbeiflog, zeichneten die Kameras eine Linie von Kratern auf, mindestens 15 Krater lang, in gleichmäßigem Abstand, so als ob jemand den Mond mit einem Maschinengewehr gestreift hätte. Letzten Endes wurden 8 Ketten auf Callisto gefunden und weitere 3 auf Ganymed.

Zuerst waren die Ketten ein Rätsel. Waren sie vulkanischen Ursprungs? Ist ein Asteroid über die Oberfläche von Callisto gesprungen wie ein Stein über einen Teich?

Das Geheimnis wurde 1993 mit der Entdeckung des Kometen  Shoemaker-Levy 9 gelöst. SL-9 war kein einzelner Komet sondern eine "Perlenkette," eine Kette von 21 Kometenfragmenten, die ein Jahr zuvor entstanden als Jupiter´s Schwerkraft den ursprünglichen Kometen auseinander riss. SL-9 schlug im Jahr 1994 zurück und schlug auf Jupiter ein. Beobachter sahen die gewaltigen Explosionen in der Atmosphäre des Riesenplaneten und es bedarf nur wenig Vorstellungskraft sich auszumahlen, was passiert wäre, wenn Jupiter eine feste Oberfläche gehabt hätte: eine Kette von Kratern.

Astronomen haben seitdem festgestellt, dass zerbrochene Kometen und bröselige Asteroiden häufig vorkommen. Kometen zerfallen eher einfach; allein das Sonnenlicht kann ihren zerbrechlichen Kern zertrümmern. Des Weiteren gibt es eindeutige Hinweise darauf, dass offensichtlich feste Asteroiden eine Ansammlung von Geröll, Staub und Felsen sind, welche durch schwache Gravitation zusammengehalten werden. Wenn diese Asteroiden einschlagen, hinterlassen sie Ketten.

Im Jahr 1994 veröffentlichten die Forscher Jay Melosh und Ewen Whitaker ihre Entdeckung von 2 Krater-Ketten auf dem Mond. Eine, auf dem Boden des Kraters Davy, ist eindrucksvoll -- eine fast perfekte Linie von 23 Pockennarben, jede ein paar Kilometer im Durchmesser. Dies bewies, dass Ketten von Kratern im Erde-Mond System existierten.

Aber wo befinden sie sich auf der Erde?

Die Erde hat die Eigenschaft ihre Krater zu verstecken. "Wind und Regen erodieren sie, Sedimente füllen sie auf und das tektonische Recycling der Erdkruste zerstört sie vollständig," sagt Ocampo. Auf dem Mond gibt es Millionen gut erhaltener Krater. Auf der Erde, "fanden wir bisher nur 174."

Das hört sich an wie ein Job für Google. Ernsthaft. Der Amateurastronom Emilio González bereitete dieser Technik im März 2006 den Weg. "Ich benutze Google Earth," erklärt er. Google Earth ist eine digitale Karte unseres Planeten, zusammengesetzt aus Satellitenbildern. Man kann vergrößern und verkleinern, herumfliegen und Landschaften in eindrucksvollen Details beobachten. Es ist ein bisschen wie ein Videospiel -- außer, dass es real ist.

González fing damit an den Kebira Einschlagskrater in Lybien aufzurufen -- den größten in der Sahara. Es war so einfach zu sehen, erinnert er sich, "ich entschied nach mehr zu schauen." Minuten später "flog" er über die Grenze Lybien-Chad, als ein weiterer Krater auftauchte. Und dann noch einer. Sie hatten beide mehrere Ringe und eine zentrale Erhebung, das verräterische Zeichen eines Einschlages von großer Kraft. "Es konnte nicht so einfach sein," staunte er.

Es war so einfach. Zumindest einer der Krater wurde vorher niemals katalogisiert und beide, fast unglaublich, lagen in einer Linie mit dem 200 km entfernten Aorounga Krater: Karte. In weniger als 30 Minuten fand González 2 Kandidaten für Einschlagskrater und multiplizierte möglicherweise die Länge der Aorounga Kette. Stunden weiterer Suche brachten keine weiteren Resultate hervor. "Anfängerglück," lacht er. (Wenn Sie selber online nach Kratern suchen möchten, gibt González diese Tips.)

Ocampo bezweifelt, dass diese neuen Krater mit  Aorounga in Verbindung stehen. "Es scheint, dass sie nicht gleich alt sind." Aber sie kann es auch nicht ausschließen.

"Wir müssen Arbeiten vor Ort durchführen," sagt sie. Um zu beweisen, dass ein Krater ein Krater ist -- und nicht, beispielsweise, ein Vulkan -- müssen Forscher die Stelle aufsuchen und nach Zeichen für einen Einschlag suchen, wie "Trümmer-Kegeln" und anderen Mineralien, die durch großen Druck und Hitze erzeugt wurden. Diese Art von geologischer Untersuchung kann auch das Alter der Einschlagstelle enthüllen und es als Teil der Kette oder ein einzelnes Ereignis zuordnen.

Die Antworten müssen vielleicht noch warten. Der Bürgerkrieg im Chad und die Möglichkeit des Krieges zwischen dem Chad und Sudan verhindert, dass Wissenschaftler eine Expedition starten. In der Zwischenzeit prüfen Forscher Kandidaten für Ketten in Missouri und Spanien. Obwohl diese Gebiete zugänglicher sind als der Chad, können die Forscher immer noch nicht entscheiden ob dies Ketten sind oder nicht. Es ist eine schwierige Arbeit.

Ocampo glaubt, dass es den Aufwand wert ist. "Die Erdgeschichte wurde durch Einschläge geprägt," sagt sie. "Ketten von Kratern können uns wichtige Dinge über unseren Planeten verraten."

Und die Suche geht weiter.

Quelle: Science@NASA

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