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Mini-Kometen nähern sich der Erde

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Eine 'Perlenkette' aus Kometen wird im Mai 2006 an der Erde vorbeifliegen und gibt dadurch Astronomen einen hervorragenden Anblick eines sterbenden Kometen.

Im Jahr 1995 tat der Komet 73P/Schwassmann-Wachmann 3 etwas Unerwartetes: er fiel auseinander. Ohne erkennbaren Grund zerfiel der Kern des Kometen in mindestens drei "Mini-Kometen" die alleine weiter durch den Weltraum fliegen. Astronomen beobachteten dies mit großem Interesse, der Anblick war jedoch selbst durch die größten Teleskope nur unscharf. "73P" befand sich 150 Millionen Kilometer entfernt.

Wir werden in Kürze einen wesentlich besseren Ausblick haben. Im Mai 2006 werden die Fragmente dichter an der Erde vorbeifliegen als irgendein Komet in den vergangenen 20 Jahren.  

"Dies ist eine seltene Möglichkeit einen Kometen bei seinem Todeskampf zu beobachten -- aus sehr geringer Entfernung," sagt Don Yeomans, Leiter von NASA's Near Earth Object Program am JPL.

Es besteht keine Gefahr einer Kollision. "Gute Güte, nein," sagt Yeomans. "Die Fragmente die uns am nächsten kommen sind etwa 10 Millionen Kilometer entfernt -- oder 25 Mal weiter als der Mond." Das ist nah, ohne wirklich Angst haben zu müssen.

Der Vorbeiflug ist eine große Sache. "Das Hubble Space Teleskop wird beobachten," sagt Yeomans. "Ebenso wird das riesige Arecibo Radar in Puerto Rico die Fragmente 'anpingen' um ihre Form sowie Drehung zu bestimmen." Selbst Amateurastronomen werden in der Lage sein Bilder zu machen, wenn die Mini-Kometen am 12., 13. und 14. Mai durch die Sternbilder Schwan und Pegasus fliegen.

Ironischerweise werden diese Kometen, obwohl so nah, nicht sehr hell sein. Es wird erwartet, dass die größten Fragmente wie ein Stern der Helligkeit 3 oder 4 leuchten, nur schwach sichtbar für das bloße Auge. 

"Erinnern Sie sich," sagt Yeomans, "dies sind Mini-Kometen." Sie sind nicht wie die großen Kometen Hayutake und Hale-Bopp aus den Jahren 1996 und 1997. Diese konnten mit dem bloßen Auge selbst in Städten beobachtet werden. Im Gegensatz dazu kann man die Fragmente von 73P am besten auf dem Land sehen -- und vergessen Sie nicht ihr Fernglas.

Die Anzahl der Fragmente ändert sich ständig. Als der Zerfall 1995 begann, waren es nur drei: A, B und C. Derzeit zählen Astronomen zumindest acht: die großen Fragmente B und C plus die kleineren Fragmente G, H, J, L, M und N. "Es sieht so aus als ob einige der Fragmente wiederum in kleinere Stücke zerbrechen," sagt Yeomans, was bedeutet, dass sich die Anzahl noch weiter erhöhen könnte. Niemand weiß, wie lang die "Perlenkette" sein wird, wenn sie schlussendlich eintrifft. Bonus: Es könnte auch einen Meteorregen geben.

Dies ist sehr unsicher, in der Tat gehen die Vorhersagen nicht davon aus. Aber eine sich ausdehnende Staubwolke vom Zerfall des Kometen im Jahr 1995 könnte im Mai 2006 an der Erde vorüber fegen und einige Meteore hervorrufen.

Der Astronom Paul Wiegert, von der University of Western Ontario, hat diese Möglichkeit untersucht: 

"Wir glauben, dass sich die Wolke zu langsam ausdehnt um die Erde nur 11 Jahre nach dem Auseinander brechen zu erreichen," sagt er, "aber es hängt davon ab, was dazu führte, dass der Komet zerbrochen ist -- und das wissen wir nicht."

"Die wahrscheinlichste Erklärung ist thermischer Stress, wobei ein vereister Kern zerbricht, wie ein Eiswürfel, den man in eine heiße Suppe schmeißst: der Komet zerbrach, als er sich der Sonne, nach einer langen Reise durch das kalte, äußere Sonnensystem, näherte," erklärt er. "Wenn dies wirklich passiert ist, sollte sich die Staubwolke langsam ausdehnen und es wird keinen starken Meteorregen geben."

Auf der anderen Seite, was wäre wenn "der Komet durch den Aufschlag eines kleinen, interplanetarischen Brockens zertrümmert wurde?" Eine solche Kollision würde Überreste produzieren, die sich schneller bewegen und die Erde im Jahr 2006 erreichen könnten.

Wiegert erwartet nichts zu sehen, ermutigt Beobachter jedoch wachsam zu sein. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein sterbender Komet einen Meteorregen hervorruft:

"Ein außergewöhnliches Ereignis ist der Komet Biela, der sich im Jahr 1846 teilte und im Jahr 1872 vollständig auseinander gefallen war," sagt er. "Zumindest drei sehr intensive Meteorregen (3.000 - 15.000 Meteore pro Stunde) wurden in den Jahren 1872, 1885 und 1892 durch diesen sterbenden Kometen hervorgerufen."

Unter der Annahme, dass der Komet 73P aus thermischen Gründen zerbrochen ist, berechneten Wiegert und Kollegen die wahrscheinlichte Bahn der Staubwolke. Ihre Ergebnisse: der Staub sollte die Erde im Jahr 2022 erreichen und "einen kleinen Meteorregen hervorrufen -- nichts besonderes. Jedoch," fügt er hinzu, "der fortlaufende Zerfall des Kometen bedeutet, dass neue Meteoriten in neue Richtungen fliegen, wodurch ein zukünftiger, starker Meteorregen vom Kometen 73P als Möglichkeit bestehen bleibt."

Die Beobachtung beginnt am 12. Mai.

Quelle: Science@NASA

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