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Berührung des unsichtbaren Himmels: Entdeckung des Kosmos in Blindenschrift

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Bilder von NASAs Teleskopen sind Juwelen des Weltraumprogramms und fantastisch anzuschauen. Aber wie schaut man sie sich an, wenn man nicht sehen kann?

Die Antwort findet sich auf den Seiten eines neuen Buches, das in Blindenschrift geschrieben wurde: Touch the Invisible Sky.

In einem beeindruckenden Vorwort schreibt der blinde Bergsteiger Erik Weihenmayer, "Sehen ... ist nur eine der vielen Möglichkeiten, mit denen man die Wunder der Welt erfahren kann." Touch the Invisible Sky benutzt Blindenschrift, große Buchstaben und fühlbare Diagramme von Bildern der Weltraumteleskope Hubble, Chandra und Spitzer, um den Kosmos den Blinden und Sehbehinderten Menschen zu erschließen. 

Viele der Bilder im Buch zeigen den Kosmos bei Wellenlängen, die kein menschliches Auge sehen kann -- im Infrarotbereich, im Ultravioletten- und Röntgenbereich. "Indem es diese Bilder zeigt, erinnert es den Leser daran, dass das Universum, und seine Schönheit, für alle Augen größtenteils verschlossen ist, es sei denn man benutzt spezielle Teleskope", sagt Doris Daou, eine Astronomin der NASA, die zusammen mit Noreen Grice und Simon Steele an dem Buch mitgearbeitet hat.

Nach Aussage von Kathleen Lestition, die Bildungs- und Pressearbeit für das Chandra x-ray Center koordiniert, "begann das Touch the Invisible Sky Projekt als kleine Mission, aber die NASA macht das Buch zu einer nationalen Ressource und verteilt es umsonst an Blindenschulen auf der ganzen Welt, die Staatsbibliothek, mehrere Technologie- und Trainingscenter für Blinde und nationale Bibliotheken, welche Astronomiesammlungen besitzen." 

Science@NASA fragte zwei blinde Leser, das Buch zu bewerten. Bis zum Alter von 15 Jahren konnte Tim Hendel hell und dunkel, Farben, Schatten und große Objekte wie Sonne und Mond sehen. Er konnte nicht lesen, erlernte aber die Blindenschrift. Deborah Saylor kam blind auf die Welt und liest ebenfalls die Blindenschrift. Hendel und Saylor leben in  Huntsville, Alabama, und sind seit ihrer Kindheit vom Weltraum begeistert. Beide lasen Touch the Invisible Sky und gaben ihre Kommentare dazu ab.

Tim Hendel:

"Obwohl ich 12 Jahre in Huntsville lebte, welche als 'Rocket City' bekannt ist, hatte ich keine Vorstellung davon, wie ein Weltraumteleskop aussieht oder wie vielleicht ein Stern auf einer Karte darzustellen sei. Es gibt kaum Informationen darüber in Blindenschrift, also war ich begeistert, Touch the Invisible Sky zu lesen.

Auf Seite 4 ist eine Darstellung aller Wellenlängen des elektromagnetischen Spektrums zu finden, von Radiowellen bis hin zu Gammastrahlung. Sie zeigt, dass alle Menschen teilweise blind sind. Niemand kann Gammastrahlen sehen! Dennoch ist der Kosmos hell und lebendig bei diesen 'unsichtbaren' Wellenlängen.

Ich bin ein Amateurfunker, habe also ein gutes Verständnis des Radio-Teils des Spektrums. Es ist aber hilfreich, das gesamte Spektrum in einem Diagramm zu sehen. Ich kann dieses Diagramm einigen meiner blinden Freunde zeigen, um ihnen zu erklären, wie sich das gesamte Spektrum zusammensetzt und wie Astronomen die unterschiedlichen Arten von Teleskopen nutzen, um von Radiowellen bis hin zur Gammastrahlung alles zu 'sehen.'

Ich wusste, dass unsere Sonne Licht und Wärme abgibt und hatte eine vage Vorstellung davon, dass es noch andere Arten der Strahlung gibt, welche unsere Sonne und andere Sterne emittieren. Ein Blick auf die Diagramme im Buch machte mir jedoch erst klar, wie wenig der Energie, die ein Stern wirklich abgibt, zu sehen oder zu fühlen ist."

Deborah Saylor:

"Ich zog vor einigen Jahren nach Huntsville. Nach all den Jahren hier in der Rocket City und den Nachrichten von der Weltraumindustrie, bin ich endlich in der Lage die Weltraumforschung so wertzuschätzen wie jeder andere auch! Ich bin also, um es mal vorsichtig auszudrücken, sehr begeistert darüber dieses Buch gesehen zu haben!

Was mich am meisten an Touch the Invisible Sky beeindruckte, war die Art und Weise, wie die Autoren die Dinge zusammengesetzt haben, so dass ich erleben konnte, was Menschen mit ihren Augen sehen können. Die Erklärungen der Diagramme waren sehr hilfreich, um die Ideen miteinander zu verknüpfen.

Ich mag dieses Buch sehr und werde es weiterempfehlen. Es ist wirklich etwas!"

Touch the Invisible Sky endet mit der folgenden Analogie: "Stellen Sie sich vor Sie könnten nur die Töne der mittleren drei Tasten eines Klaviers hören, und würden gefragt ein Lied zu erkennen ... Die Fähigkeit einen Stern, Nebel oder Galaxien im gesamten elektromagnetischen Spektrum zu untersuchen, gibt uns das große Bild und liefert so Hinweise, um die größten Geheimnise zu entschlüsseln ...."

Saylor, ein Van Cliburn Finalist, der ganze Klavierkonzerte aus dem Gedächtnis spielt, stimmt dem zu: "Der Weg das meiste zu sehen und zu lernen, ist es so viele Wege zu finden die Dinge zu 'sehen' wie möglich. Und behalten Sie Ihre Neugierde, immer!"  

Dies ist genau was Wissenschaftler tun, wenn sie durch den Weltraum reisen. Eine Reise, auf der sie die Blinden nun begleiten können.

Quelle: Science(at)NASA

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