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Der fantastische Himmel über Waisen Sternen

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Was für ein Anblick! Es ist Spätsommer, nach Einbruch der Dunkelheit, und Sie liegen in einem Schlafsack auf dem Rücken und beobachten das letzte Glühen des Feuers wie es in Richtung Himmel aufsteigt. Über Ihrem Kopf trennt ein glänzendes Band aus Sternen die Nacht – es ist die Milchstraße.

Nun stellen Sie sich vor, dass das Ganze in der Helligkeit und Schönheit verdoppelt würde.

Nein, das ist nicht ganz richtig.

Stellen sie sich eine gesamte Galaxie aus Sternen vor, die sich über Ihrem Kopf dreht. Der blau-weiße Kern der Galaxie, bestehend aus jungen Sternen, wird von den gelben Tintenfischarmen der älteren Sterne umkreist. Auf einer Seite schlängelt sich eine lichtschwache rote Säule aus Gas von dem leuchtenden Whirlpool hinweg und dreht sich in der Mitte des Himmels in ... Ihre Richtung. 

Astronomen haben mithilfe des Chandra Röntgenobservatoriums einen Ort im Universum gefunden, an dem der Ausblick vielleicht genauso ist. „Er befindet sich nahe einer Galaxie mit dem Namen ESO 137-001“, sagt Ming Sun, von der Michigan State University, der diese Untersuchung leitete.

ESO 137-001 ist ein Mitglied des Abell Haufens 3627 – ein Schwarm von Galaxien, 65 Megaparsecs (212 Millionen Lichtjahre) von der Erde entfernt. ESO 137-001 sticht zwischen den anderen Galaxien hervor, weil sie einen kometenähnlichen Schweif hat, in dem sich zahlreiche junge Sterne befinden. „Wir nennen sie Waisen Sterne”, MSU Teammitglied Megan Donahue, "weil sie von ihren Eltern getrennt sind”.

Niemand weiß, ob es Leben in diesen Sternensystemen gibt, aber gäbe es Lebensformen, “hätten sie diesen fantastischen Ausblick”, sagt Sun.

 Hier auf der Erde sehen wir unsere eigene Galaxie, die Milchstraße, von innen. Zu dumm! Das Innere der Milchstraße ist von Staub verdeckt, was dazu führt, dass wir nur die nächsten Sterne sehen können. In jeder beliebigen Sommernacht zeigt die Milchstraße nur einen kleinen Teil ihrer wahren Schönheit. Wenn wir nur aus unserem beschäftigten, staubigen Spiralarm herausgehoben würden, könnten wir die ganze Pracht sehen.

Genau das passiert in ESO 137-001, erklärt Sun. „Waisen Sterne driften von ihrer Galaxie weg“, zu einem Punkt, an dem die ganze Galaxie beobachtet werden kann. Es ist der Traum eines jeden Sternenbeobachters, der dort wahr wird.

Wie passiert das? Donahue erklärt: “Der Abell Haufen 3627 ist gefüllt mit einer diffusen Atmosphäre aus heißem Gas, dass alle Galaxien in dem Haufen umgibt. ESO 137-001 bewegt sich durch dieses Gas, auf seinem Weg hin zum Zentrum des Haufens. Die gesamte Galaxie erfährt daher so etwas wie einen ‚heißen Wind’ in ihrem Gesicht. Der Wind drückt Gas nach hinten heraus, was den kometenähnlichen Schweif hervorruft, in dem die Waisen Sterne geboren werden“.

Dies ist nicht das erste Mal, dass Astronomen Sterne entdeckten, die außerhalb einer Muttergalaxie geboren werden. „Andere Beispiele beinhalten Stephens Quintet und NGC 4388", sagt Sun. "ESO 137-001 ist jedoch ein Spezialfall, weil die Rate der Bildung von Waisen Sternen so hoch ist: 36 bis 5.700 Mal höher als alles, was wir bisher gesehen haben“. Sun schätzt, dass dort eine Million Sterne gebildet werden könnten, eine Million unglaublicher Nachthimmel.

Letzten Endes, während die Sterne sich langsam von ihren Eltern wegbewegen, wird sich der Anblick ändern: ESO 137-001 wird in die Ferne wandern und eine dunkle, intergalaktische Leere wird den Nachthimmel füllen. Die einzigen sichtbaren Sterne werden dann die Waisen Sterne selber sein – „eine Handvoll sehr naher, sehr heller Lichtpunkte“, sagt Donahue. "In ein paar Milliarden Jahren befinden sich diese Sterne in einer ziemlich einsamen Region des Weltraums“.

Solch eine Isolation könnte gut sein, wenn jemals Leben in solchen Systemen Fuß fassen würde: “Planeten, die Waisen Sterne umkreisen, sind vielleicht weniger von gelegentlichen ‘Globalen Killerkometen’ betroffen, die durch Interaktion mit vorbeifliegenden Sternen aus ihrer Bahn geschleudert wurden”, spekuliert Donahue.

Die Waisen Sterne von ESO 137-001 repräsentieren vielleicht eine ganze Population von kosmischen Nomaden, in ihren jungen Tagen gesegnet mit atemberaubenden Nächten und am Ende in der Sicherheit der Leere. Wie viele mehr sind dort draußen? Niemand weiß das.

"Das", sagt Donahue, "ist der Grund für unsere Forschung”.

Quelle: Science(at)NASA

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